Rüdiger | Die Sache mit den Namen

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Rüdiger Kapitel 1

Ihr glaubt ja nicht wie sehr es nervt, von Menschen umgetauft zu werden. Ja, ihr habt richtig gelesen: umgetauft! In der Regel läuft die Sache immer gleich ab; zuerst einmal wirft eine Hündin einen Haufen kleine Köterchen, also in meinem Fall war das jedenfalls so, meine Mutter war eine Hündin. Es spielt aber auch gar keine Rolle ob jetzt eine Katzendame kleine Schnurrknäuel wirft, ob eine Schäfin ein paar Lockenköpfchen zur Welt bringt, oder ob aus einem Barschlaich kleine Bärschlein schlüpfen, es ist immer sofort die Mutter der verschiedenen Neuankömmlinge zur Stelle und gibt jedem kleinen Scheißerchen einen Namen. Bis hierhin ist alles in bester Ordnung.
Nun kommt es aber in vielen Fällen, manchmal früher, manchmal etwas später, zur Trennung von Mutter und Kind. Und hier geht es mir jetzt gar nicht darum, diese Trennung in irgendeiner Form zu verurteilen. In meinem Fall war ich sogar richtig froh, endlich von meinen drei Schwestern weg zu kommen. Die drei Tölen haben genervt wie nichts Gutes. Und immer haben sie sich über mein Äußeres lustig gemacht. Nee Alter, ich war glücklich, als wir eines Tages von Mamas Dosenöffner zu verschiedenen Haushalten gebracht worden sind und dort einen eigenen Dosenöffner bekamen.

Nun bin ich aber etwas vom eigentlichen Thema abgekommen. Also, nachdem man nach seiner Geburt von seiner Mutter einen Namen erhalten und dann irgendwann später endlich seinen eigenen Dosenöffner bekommen hat, passiert das schier Unfassbare: man wird vom Dosenöffner umbenannt! Eckenpinkeln Viele meiner Artgenossen kommen damit überhaupt nicht zurecht. Nicht selten erleiden sie einen psychischen Schaden. Und das liegt allein daran, dass die neuen Dosenöffner sie fortan nicht bei ihren eigentlichen Namen nennen, sondern sich irgendeinen Mist ausdenken. Da wird dann aus Rolf oder Ludmilla plötzlich Lumpi und Tacka. Diese Umbenennung mündet oft nicht nur in Missverständnissen, sondern auch in Eckenpinkeln.

Ich hatte das Glück, dass mein Dosenöffner sich als vollkommen unkreativ herausgestellt hat. Er nannte mich immer nur "Hund". Das war zwar kein Bringer, aber mir ist auf diese Weise wenigstens so ein dämlicher Kötername erspart geblieben.

In sehr, sehr, sehr, sehr seltenen Fällen kommt es aber auch dazu, dass man von seinem Dosenöffner tatsächlich genauso genannt wird wie man von seiner Mutter getauft worden ist. So geschehen bei einer sehr guten Freundin von mir - Viktoria. Viktoria ist eine Kätzin, die ein älteres Ehepaar als Personal zugeteilt bekommen hat. Und, man mag es nun glauben oder nicht, sie wurde von der alten Dame sofort mit Viktoria angesprochen. Jetzt werden viele denken, dass Viktoria richtig fettes Glück gehabt hat. Aber die Sache hat einen Haken. Ob es nun am Dialekt oder am Sprachvermögen der beiden betagten Herrschaften liegt, wird wohl ungeklärt bleiben. Viktoria Fest steht aber, dass sie das "V" von Viktoria mehr wie ein "F" aussprechen. Wenn Viktoria also von ihnen gerufen wird, klingt das mehr nach "Fiktoria".

Wenn Viktoria auf Streifzug durch die Nachbarschaft ist und einer ihrer beiden Dosenöffner sie mit "Fiktoria" ruft, könnte Viktoria vor Scham im Boden versinken. Zumal wenn Sie sich gerade mit dem überaus attraktiven, doch leider kastriertem Kater Manfred unterhält. Und wenn dann auch noch die Verniedlichungsform "Ficki" zu dem ohnehin schon peinlichen "Fiktoria" dazukommt, nimmt Viktoria die Beine in die Hand und rast schnurstracks nach Hause. Denn das ist die einzige Möglichkeit, die unangenehmen Rufe zum Verstummen zu bringen.

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