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Fast wäre das Schweinchen gestorben

Artikel von Gudrun Klinkhammer aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.01.2011.

Die Halterin sprach von epileptischen Anfällen, zudem sei das Ferkel völlig orientierungslos. Daggy wog zu diesem Zeitpunkt 9,9 Kilogramm, während ihre Geschwister auf dem Stuttgarter Bauernhof bereits rund 60 Kilo vorweisen konnten.

Die kleine Duroc-Sau namens Daggy
Die kleine Duroc-Sau namens "Daggy" sucht ein neues Zuhause. Zwei Wochen verbrachte das Schweinchen, das falsch ernährt worden war und dadurch sehr krank wurde, in der Tierarztpraxis.
(Bild: Ksta)

Kall - Bei Daggy handelt es sich um ein kleines Schwein, das derzeit ein neues Zuhause sucht. Geboren wurde das rothaarige Minischwein vor einem halben Jahr auf einem Demeter-Hof bei Stuttgart. Eine junge Eifelerin, die auf diesem Hof im Schwabenland ihre Ausbildung absolviert, packte das grunzende Ferkel zusammen mit einem Geschwisterchen ein und brachte es mit nach Hause, nach Gemünd.

Die Mutter der Auszubildenden hatte von Schweinen wenig Ahnung, wollte die Ferkel nur mit dem besten Futter versorgen. Aber irgendetwas lief falsch; eines Tages litt Daggy unter schwerer Verstopfung, hinten kam nichts mehr raus. Das Tier landete bei Tierärztin Elfi Kannengießer in Kall.

Apathisch in der Kiste

Durch einen Einlauf und tatkräftige Hilfe schied Daggy damals einen dicken Strohpfropfen aus, dann ging es ihr deutlich besser. Doch es dauerte nicht lange, und die Besitzerin stand erneut mit dem Tier vor der Praxistür. Das Geschwisterchen war inzwischen verstorben, und auch Daggy, die apathisch in einer Bananenkiste lag, war wesentlich schlechter dran als beim ersten Tierarztbesuch.

Die Halterin sprach von epileptischen Anfällen, zudem sei das Ferkel völlig orientierungslos. Daggy wog zu diesem Zeitpunkt 9,9 Kilogramm, während ihre Geschwister auf dem Stuttgarter Bauernhof bereits rund 60 Kilo vorweisen konnten. Das kleine Schwein wurde geröntgt, und Elfi Kannengießer nahm Kontakt zu einem befreundeten Chirurgen auf, der den Darm des Tieres in letzter Minute durch einen Eingriff wieder auf Vordermann brachte. Die epileptischen Anfälle entpuppten sich als Koliken mit Wälzen, Zähneknirschen und Zittern am ganzen Körper.

Inzwischen geht es der rothaarigen Kleinen wieder gut, sie nahm in einer Woche knapp zwei Kilogramm zu und tippelt munter herum. "Noch", so beschreibt es die Tierärztin, die die kleine Patientin seit zwei Wochen in ihrer Praxis hütet und päppelt, "ist Daggy blind." Elfi Kannengießer vermutet eine Mangelerkrankung, die auf die falsche Ernährung und die damit verbundene Unterversorgung zurückzuführen ist. Eventuell wird sich das Problem bei zukünftig artgerechter Tierhaltung von selber wieder geben. Ein Bonner Augenarzt, der sich auf Vierbeiner spezialisiert hat, soll demnächst für Klarheit sorgen.

Amerikanische Rasse

Daggy ist eine kleine Duroc-Sau. Dabei handelt es sich um eine amerikanische Rasse mit gewölbtem Rücken, roter bis ziegelroter Haut mit gelegentlich kleinen schwarzen Flecken und kleinen Schlappohren. Durocs werfen bis zu zwölf Ferkel, sie haben einen gutmütigen Charakter und sind eigentlich widerstandsfähig gegen Krankheiten. Die Schweine werden über 300 Kilo schwer.

Kannengießer: "Das Tier benötigt jetzt ein liebevolles Zuhause mit viel Zuwendung, gängigem Schweinefutter, einem Stall und einer Menge Auslauf in der Sonne."

Da Schweine drei Jahre lang wachsen, kann aus Daggy durchaus noch eine prächtige Sau werden. Das größte Problem für den künftigen Besitzer wird die Freilandhaltung darstellen, da wegen der möglichen Schweinepest eine Menge Auflagen für die Haltung von Hausschweinen unter freiem Himmel existieren. Und was noch zu erwähnen wäre: Daggy riecht ein bisschen nach Maggi.